Physiotherapie via Video, wie geht denn das?

Es funktioniert. Ich war während der Kontaktbeschränkungen im März - Mai 2020 ausgebucht. Viele Patienten berichten Erfolge. Kein Wunder, denn Bewegung hat die beste Evidenz für viele Gesundheitsprobleme am Bewegungsapparat. Die Übernahme der Kontrolle über das eigene Gesundheitsproblem macht die Patienten unabhängiger und beendet in vielen Fällen das Leid.

Ich bin schon ganz fit vom Demonstrieren. Segmental mobil, neurodynamisch "geslidert", die Bindegewebsplatten meines MCDAS gleiten. Meine Entspannung ziehe ich aus der Demonstration der Triggerpunktmassage auf Tennisbällen. Nur die Wärmflasche und die Eisabreibungen entgehen mir, denn während die Kunden damit ihre Physiotherapie zu Hause beenden, wartet schon der Nächste im virtuellen Wartezimmer.  
Einblicke in meine ersten praktischen Erfahrungen mit dem Versuch einer "evidenzbasierten Physiotherapie" über Video seht Ihr in den Filmen oben.

Bei jedem Ansatzpunkt kommen evidenzbasierte -und innovative Methoden und Maßnahmen zum Einsatz.

Bei jedem Ansatzpunkt kommen evidenzbasierte -und innovative Methoden und Maßnahmen zum Einsatz.

Screening-Info, Anamnese

Da wir durch telefonisch bestellte Folge-Verordnungen oder als sektorale HPs im Erstkontakt evtl. mehr Verantwortung übernehmen werden, ist hier eine Checkliste mit sinnvollen Punkten:

Notfall-Kontaktdaten erheben:

Falls der Patient ernsthaft spezifisch erkrankt (evtl. sogar während der Video-Therapie) sind Notfall-Kontakte sinnvoll:


  • Behandelnder Arzt
  • Familienmitglied

     (Danke an Arne Vielitz, AG Direktzugang der ZipT)


Patienten z.B. mit: COPD, Asthma, Mucoviscidose und Lungenfibrose evtl. an spezialisierte Atemphysiotherapeuten verweisen

Bei bestimmten Lungenerkrankungen können therapeutische Maßnahmen auch Irritationen und ernsthafte Komplikationen auslösen statt diese zu lindern. Chronische Patienten haben daher oft einen zertifizierten Atemtherapeuten der in engem Austausch mit dem behandelnden Pulmonologen / Arzt f. innere Medizin steht.
Da "Atemtherapie" prinzipiell nun jeder via Video erteilen darf (X0302, X0303, X0501, X0701, X0702), besteht die Gefahr aus Unwissenheit oder durch unglückliche Zufälle (Erkrankung an Corona) gravierende Fehler zu machen. Hier kann man zertifizierte Atemtherapeuten suchen, sofern der Patient keinen hat: Deutsche Atemwegsliga: https://www.atemwegsliga.de/physiotherapeuten.html
(Danke an Jan Kaufmann, ehem. th. Leitung Atemreha Hamburg)

Digitale Corona-Screening-Tools:

       (Danke an Karinna Dittrich, Deutsche Ges. f. Telemedizin e.V.)

Inhalte Corona-Screening:

COVID-19: Abklärungsalgorithmus Erwachsene nach UCSF COVID-19 ID Clinical Working Group:
Verdächtiges klinisches Bild bei COVID-19:

  • Fieber
  • Husten
  • Dyspnoe
  • gesicherter COVID-19-Kontakt
  • Derzeit noch Aufenthalt im Risikogebiet


Hinweise zum klinischen Bild bei Aufnahme in das Krankenhaus:

  • 60-80% haben Husten (trocken u/o produktiv)
  • 50% haben bei Aufnahme KEIN Fieber!
  • 20-40% haben Dyspnoe
  • Erkältungssymptome (Kopf-/Halsschmerzen,
  • Schnupfen) nur in < 15%!
  • Durchfall, Übelkeit, Erbrechen in <10%


Verlauf berücksichtigen: (RKI)

Vermeintliche "Erkältungen" im Auge behalten:

  • Zeit Erkrankungsbeginn bis Pneumonie: 2–7 Tage ([IQR] chinesische Fallserie [n = 1.099])
  • Zeit Erkrankungsbeginn bis Hospitalisierung: (Median) sieben Tage (IQR: 4–8 Tage) bzw. 4,5 Tage (IQR: 2–7 Tage) für leichtere Erkrankungen, bzw. 5 Tage (IQR: 4–6,8 Tage) für schwere Verläufe.
  • Erkrankungsbeginn bis zum Akuten Lungenversagen (ARDS): (Median) acht Tage (IQR: 6–12 Tage) bzw. 9 Tage (IQR: 7–11 Tage)


Physiotherapeutisches Screening:


Red Flags von:
Hagenaars und Schermer, 2004:

  • Schmerz, der nicht durch Haltungen oder Bewegungen provozierbar bzw. reduzierbar ist 
  • sich ausbreitender Schmerz, stärker werdende Schmerzen 
  • Fieber 
  • (Nächtliches) Transpirieren 
  • Übelkeit 
  • Erbrechen 
  • Durchfall 
  • (unnatürliche) Blässe 
  • Schwindel 
  • Müdigkeit 
  • (ungewollter) Gewichtsverlust (> 5 kg/ Monat bzw. *von 5-10%)


Arnold et al. 2005

  • Akutes Entstehen der Beschwerden ohne Erklärung 
  • Appetitlosigkeit 
  • langer Cortisongebrauch 
  • nicht verstandene Zeichen oder Symptome nach einem Trauma 
  • Klare Zeichen oder Symptome einer 
  • Immunschwäche: Pilzinfektionen, nicht verstandene Entzündungsbilder in Kombination mit progressiver Allgemeinschwäche 
  • evidente Lähmungserscheinung oder Empfindungsstörungen 
  • Alter, Osteoporose, Nächtlicher Schmerz 
  • bereits an Krebs erkrankt oder karzinogene Prozesse in der Familie 
  • Psychopathologie / Psychiatrische Erkrankung 


Weitere:

  • massiver Flexionsverlust der LWS
  • gestörtes Gangbild, oder Stürze
  • keine Gewichtsbelastung (uEx) möglich
  • IV Drogen in der Vorgeschichte 
  • plötzlicher Beginn von Kopfschmerzen
  • Strg. der Harn-  / Stuhl-Kontrolle
  • Reithosenanästhesie 
  • anhaltender Nachtschmerz bzw. Schmerz in den frühen Morgenstunden
  • ungeklärte Heiserkeit oder ungewöhnlicher Husten (wg. CA!)
  • Brustschmerz bei Anstrengung
  • Veränderungen der mentalen Funktionen (Gedächtnis, Konzentration, Affekt) 

Therapietipps

  • rutschfeste Sohlen, nicht auf Socken
  • keine rutschenden Teppiche oder Stolperfallen 

Adhärenz:

  • Wundheilungsphasen vermitteln
  • Belastbarkeit des Gewebes mit der 24 h-Regel vermitteln (http://schulternetzwerk.de/tag/24-stundenregel/)
  • methodischen Aufbau mit Möglichkeiten der Belastungsreduzierung vermitteln


Befähigung zu Eigenverantwortung:

  • individuelle Red Flags mit quantifizierbaren Tests vermitteln 

       z.B. bei BSV L5/S1: Absolute Red Flags = Kauda-Syndrom mit Reithosenanästhesie, Harn-/ Stuhlverhalt, Parese,     
      Assessment: Täglicher Test auf Parese durch Anzahl mgl. Zehenstände

Therapie-Aufbau KG Video (s. Tutorial-Filme oben)

Empfehlungen für chronische, unspezifische bis mildspezifische Gesundheitsprobleme, die von Durchblutungsförderung, MT der BWS, Segmentaler Schmerzhemmung und Verbesserung der Bindegewebsqualität profitieren. z.B. Epicondylitis, Subacromiales Schmerzsyndrom, CANS, Spannungskopfschmerzen, Lateral knee pain, Achyllodynie, retropatellare Schmerzen, Ansatztendinitiden, LBP mit und ohne (pseudo)radikuläre Ausstrahlung...
0. Rebefund: Assessments, Darlegung der 24h-Regel nach Eigenübungen im Kontext des Wissens über Belastbarkeit und Belastung (MDBB s.  https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2005-858889)
1. Durchblutungsförderung, allgemeine Mobilisierung
2. Mobilisierung der BWS (Sympathische Schmerzverschaltung)
3. Neurodynamik bzw. Strecken und Verschieben von Bindegewebsplatten im Innervationsgebiet der nozizeptiven Quelle
4. lokale Behandlung
5. Triggerpunktmassage, Wärme (parasympathisches "Tuning")
6. ggfs. lokale Eisabreibung
7. Eigenübungen im methodischem Aufbau von unbelasteten Slidern / Plattenarbeit bis zu komplexen, spezifischen funktionellen Übungen.
Beispiele:
Obere Extremität

LBH-Region, untere Extremität



Weitere Übungen via App oder Email:


Physikalische Eigentherapie:

  • Segmentale Wärme an BWS (Wärmflasche)
  • Eisabreibung (Eislolly mit Joghurtbecher voll Wasser & Löffel)
  • Triggerpunktmassage mit z.B. Tennisbällen
  • HR ...